Mcore study April_2026_title image
Forschungsergebnisse

Persönliche Daten mit Apps teilen im Fokus

Zugriff auf Kontakte und die Verantwortung, die wir für andere empfinden

Wenn wir eine Messenger-App herunterladen, gewähren wir dem Anbieter oft Zugriff auf unsere Kontakte – und damit auf persönliche Daten anderer Personen. Doch wie bereit sind wir, diese Informationen zu teilen, welche Bedenken löst das aus, und wie verantwortlich fühlen wir uns gegenüber den Menschen in unserem Adressbuch?

Genau diese Fragen standen im Mittelpunkt unserer aktuellen Im Fokus-Umfrage vom April 2026, die wir in Kooperation mit m.core/WU Wien zum Thema Teilen persönlicher Daten mit Apps durchgeführt haben. Insgesamt nahmen 307 Personen an der Studie teil (52,1 % weiblich, 47,9 % männlich; durchschnittliches Alter: 43,71 Jahre, SD 13,48). Um das Thema greifbar zu machen, wurden die Teilnehmenden gebeten, sich vorzustellen, sie würden eine fiktive Messenger-App namens „ChatUp“ herunterladen, die Zugriff auf ihre Kontakte anfordert.

Würden die Teilnehmenden einer App Zugriff auf ihre Kontakte gewähren?

Die Ergebnisse zeichnen ein knapp geteiltes Bild: 52 % der Befragten gaben an, der App keinen Zugriff auf ihre Kontakte zu gewähren, während 48 % dies tun würden.

Auch das Alter spielt dabei eine Rolle. Mit zunehmendem Alter sank die Bereitschaft der Teilnehmenden, der fiktiven Messenger-App Zugriff auf ihre Kontakte zu gewähren (r = −.135, p = .018).

Bild: Würden Sie der App Zugriff auf Ihre Kontakte gewähren?

 

Welche negativen Konsequenzen verbinden die Teilnehmenden mit dem Zugriff?

Auf die Frage, welche negativen Konsequenzen die Zugriffserlaubnis haben könnte, nannten die Teilnehmenden am häufigsten Spam und Werbung, die Weitergabe von Daten an Dritte sowie Datendiebstahl. Weitere wiederkehrende Bedenken waren Betrug, Spionage, der Missbrauch und Verkauf von Daten, Identitätsdiebstahl, Verletzungen der Privatsphäre und des Datenschutzes sowie ein Vertrauensverlust bei den eigenen Kontakten.

 

Wie fühlen wir uns, wenn wir Zugriff gewähren – und wie glauben wir, fühlen sich andere?

Die Teilnehmenden wurden gefragt, wie sie sich fühlen würden, nachdem sie einer App Zugriff auf ihre Kontakte gewährt haben – bewertet auf einer Skala von 1 (überhaupt nicht) bis 7 (voll und ganz) anhand von drei Dimensionen: ob sie ein schlechtes Gewissen haben, ob sie sich verantwortlich fühlen und ob sie Angst vor negativen Konsequenzen haben. Anschließend wurden sie gefragt, wie es ihrer Einschätzung nach anderen Personen gleichen Alters und Geschlechts damit geht.

Über alle drei Dimensionen hinweg bewerteten die Befragten sich selbst stärker als andere. Sie berichteten von einem schlechteren Gewissen (4,76 vs. 4,19 bei anderen), einem größeren Verantwortungsgefühl (5,17 vs. 4,28) sowie einer etwas stärkeren Angst vor negativen Konsequenzen (4,68 vs. 4,42).

Diese Unterschiede sind statistisch signifikant: Die Teilnehmenden glauben, ein schlechteres Gewissen zu haben als andere (t(306) = 5.624, p < .001), fühlen sich verantwortlicher (t(306) = 9.027, p < .001) und gehen davon aus, mehr Angst vor negativen Konsequenzen zu haben als Personen gleichen Alters und Geschlechts (t(306) = 2.480, p = .014).

Auch hier prägt das Alter die Gefühle. Je älter die Befragten, desto ausgeprägter das schlechte Gewissen (r = .288, p < .001), desto stärker das Verantwortungsgefühl (r = .330, p < .001) und desto größer die Angst vor negativen Konsequenzen (r = .173, p = .002).

Bild: Wie fühlen Sie sich, wenn Sie Zugriff zu Ihren Kontakten gewähren – und wie glauben Sie, dass sich Andere dabei fühlen?

 

Wie unterscheiden sich Frauen und Männer?

Ein genauerer Blick auf das Geschlecht zeigt einige deutliche Unterschiede. Frauen berichteten tendenziell von einem schlechteren Gewissen als Männer (M = 4,94 vs. M = 4,56, t(305) = -1.724, p = .086) und hatten signifikant mehr Angst vor negativen Konsequenzen (M = 4,97 vs. M = 4,36, t(305) = -2.852, p = .005). In ihrem Verantwortungsgefühl unterschieden sich Frauen und Männer hingegen nicht (M = 5,26 vs. M = 5,07, t(305) = -.993, p = .322).

Fazit

Die Ergebnisse der Im Fokus-Umfrage zeigen, dass die Entscheidung, persönliche Daten mit Apps zu teilen, fein austariert ist – rund die Hälfte der Befragten würde Zugriff auf ihre Kontakte gewähren, die andere Hälfte nicht. Zugleich sind sich die Menschen der möglichen Nachteile durchaus bewusst und nennen Spam, die Weitergabe von Daten und Datendiebstahl als ihre größten Bedenken.

Ein durchgängiges Muster zieht sich durch die Ergebnisse: Die Befragten schreiben sich selbst ein stärkeres Gewissen, ein größeres Verantwortungsgefühl und mehr Angst vor negativen Konsequenzen zu als anderen. Besonders ältere Teilnehmende und Frauen zeigen ein ausgeprägtes Bewusstsein für die Verantwortung, die mit dem Teilen der Daten anderer einhergeht.

Die vollständige Studie finden Sie hier!

 

veröffentlicht: 11.05.2026

Caring for our industry

We are a member of